Die Auszahlphase: Warum gutes Entnehmen genauso wichtig ist wie gutes Ansparen
Jahrzehntelang zählt beim Sparen vor allem eine Frage: Wie viel kommt zusammen? Im Ruhestand kommt eine zweite hinzu, die mindestens so wichtig ist: Wie wird das Geld wieder ausgezahlt – sicher, flexibel und lange genug?
Riester oder neue Altersvorsorgeprodukte? Warum der genaue Blick entscheidet
Dieser Beitrag beruht auf Folge #71 des Fachpodcasts „Die Finanztrainer³“ (aufgezeichnet am 15. September 2026), in der ich als Experte für Financial Planning zu Gast war. Die Inhalte habe ich für Sie als Kundin und Kunde aufbereitet und mit aktuellen Quellen geprüft. Anhören: Apple Podcasts · Spotify · YouTube
Warum die Auszahlphase neu gedacht werden muss
Früher war die Altersvorsorge einfach gedacht: Bis 65 möglichst viel ansparen, danach übernimmt der Versicherer und zahlt eine lebenslange Rente. Mit dem neuen Altersvorsorgedepot ändert sich das. Statt einer lebenslangen Rente ist ein Auszahlplan möglich, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft – das Geld bleibt dabei am Kapitalmarkt angelegt.
Das heißt auch: Wer mit 50 einen solchen Vertrag abschließt, schließt ihn nicht für 15 Jahre ab, sondern für 35 Jahre. Die Auszahlphase ist kein Nachgedanke mehr, sondern ein eigener, langer Lebensabschnitt der Geldanlage.
Erst das Bild: Einnahmen und Ausgaben im Alter
Bevor es um Produkte geht, steht eine einfache Frage: Welche Einnahmen haben Sie im Alter – und welche Ausgaben? Dabei hilft eine Unterscheidung:
- Lebenslange Ausgaben – Wohnen, Lebensmittel, Versicherungen – brauchen lebenslange Einnahmen: gesetzliche Rente, Betriebsrente, private Leibrente.
- Flexible Ausgaben – Reisen, Hobbys, Geschenke an Kinder und Enkel – können aus flexiblen Einnahmen kommen: Depot, Auszahlplan, Ersparnisse.
Ein Auszahlplan aus einem Depot ist eine flexible Einnahme: Seine Höhe hängt von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab, und er endet irgendwann.
Rechenbeispiel: lebenslang und flexibel
| Ausgaben | Einnahmen | Ergebnis | |
|---|---|---|---|
| Grundbedarf (lebenslang) | 2.400 € | 2.200 € | −200 € |
| Wünsche (flexibel) | 800 € | – | −800 € |
Die gesetzliche Rente und eine Betriebsrente (zusammen 2.200 €) decken den Grundbedarf fast. Die Lücke von 200 € ist lebenslang – sie passt zu einer lebenslangen Lösung, zum Beispiel einem bestehenden Riester-Vertrag mit gutem Rentenfaktor. Die 800 € für Wünsche können aus einem Auszahlplan kommen. Schwankt dieser, verschieben Sie vielleicht eine Reise – Ihr Alltag bleibt gesichert.
Das Risiko der Reihenfolge
In der Auszahlphase zählt nicht nur, wie viel Rendite ein Depot erzielt, sondern auch, wann. Fachleute sprechen vom Reihenfolgerisiko (Sequence-of-Returns-Risiko). Wer in fallenden Märkten Geld entnimmt, muss mehr Anteile verkaufen – und diese Anteile fehlen bei der Erholung.
| Reihenfolge der Renditen | Ergebnis |
|---|---|
| 17 Jahre je +7 %, dann −10 %, −15 %, −20 % | nach 20 Jahren noch rund 119.000 € |
| Erst −20 %, −15 %, −10 %, dann 17 Jahre je +7 % | im 14. Jahr reicht das Geld nicht mehr für die volle Entnahme |
Dieselben Renditen, dieselbe Entnahme – ein völlig anderes Ergebnis. Bei einem Auszahlplan wird das Geld in einem solchen Fall nicht schlagartig leer; stattdessen sinken in der Regel die Auszahlungen. Für Ihren Lebensstandard ist das aber genauso spürbar.
Was die Auszahlphase stabil macht
- Grundbedarf absichern: Lebenslange Ausgaben möglichst mit lebenslangen Einnahmen decken.
- Aufteilung bewusst wählen: In der Auszahlphase braucht es eine Mischung, die Schwankungen aushält – mehr dazu im Beitrag „Aufteilung vor Auswahl“.
- Reserve vorhalten: Eine Liquiditätsreserve verhindert, dass in schwachen Jahren verkauft werden muss.
- Regelmäßig nachsteuern: Auszahlungen, Ausgaben und Aufteilung gehören alle ein bis zwei Jahre auf den Tisch.
- An die Zeit nach 85 denken: Ein Auszahlplan endet. Was trägt danach – und was, wenn Pflegekosten hinzukommen?
Von A bis A: Ihre Checkliste
Was in Ihre Ruhestandsplanung gehört
- Einnahmen: Alle Renten, Betriebsrenten, Verträge, Mieten und Vermögen im Überblick
- Ausgaben: Grundbedarf und Wünsche getrennt – inklusive möglicher Pflegekosten
- Lücke: Welcher Teil muss lebenslang, welcher flexibel gedeckt werden?
- Auszahlung: Rente oder Auszahlplan – und wie lange soll er laufen?
- Vollmachten und Hinterbliebene: Wer handelt, wenn Sie es nicht mehr können, und wer erhält das Geld? Mehr dazu im Beitrag „Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Testament“.
Fazit
Gute Altersvorsorge endet nicht mit dem ersten Rentenbescheid. Die Auszahlphase dauert oft 20 Jahre und länger – und entscheidet darüber, ob aus Ihrem Ersparten ein sorgenfreier Ruhestand wird. Wer Einnahmen und Ausgaben kennt, lebenslange und flexible Bausteine sinnvoll verbindet und regelmäßig nachsteuert, behält auch in unruhigen Jahren die Ruhe. Gerne planen wir Ihre Auszahlphase gemeinsam – von A bis A.
Die Modellrechnungen sind vereinfacht (ohne Steuern und Kosten), die Renditen frei gewählt und keine Prognose. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals.
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Quellen und Rechtsgrundlagen
- Deutsche Rentenversicherung: Bundesrat verabschiedet Reform der privaten Altersvorsorge (08.05.2026)
- Stiftung Warentest: Altersvorsorgedepot – was die Riester-Reform bedeutet (26.08.2026)
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 236 vom 7. Juli 2026 (Lebenserwartung 2025)
- Beitrag „Riester-Vertrag: behalten, umstellen oder wechseln?“
- Podcast „Die Finanztrainer³“, Folge #71 (Apple Podcasts)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Er stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen ohne Gewähr. Stand: 12. Oktober 2026.
