Christian SieboldFinanzplanung 360° · Vermögen – Leben – Generationen
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Immobilie, Rente oder Depot? Was jeder Weg im Ruhestand kostet – und wie er sich anfühlt

Die Immobilie bleibt – über Generationen. Die Rente kommt – jeden Monat, sicher und einfach aufs Konto. Das Depot schenkt Freiheit. Was jeder Weg kostet, was er leistet und wie er sich anfühlt: harte Zahlen und ehrliche Gefühle.

Christian Siebold
CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®
14. Oktober 2026 9 Min. Lesezeit
Aus dem Podcast · Folge #58

Financial Planning trifft Ruhestand: Wie aus Vermögen Einkommen wird

Dieser Beitrag greift Gedanken aus Folge #58 des Fachpodcasts „Die Finanztrainer³“ (veröffentlicht am 3. Dezember 2025) auf, in der ich als Experte für Financial Planning zu Gast war. Die Rechenbeispiele stammen aus meinem eigenen Ruhestandsrechner. Anhören: Apple Podcasts · Spotify · YouTube

Mehr als eine Rechenaufgabe

Irgendwann stellt sich jedem die Frage: Woher kommt mein Einkommen, wenn das Gehalt aufhört? Die meisten denken dabei an drei Wege – eine vermietete Immobilie, eine private Rente oder ein Depot, aus dem man Geld entnimmt.

Rechnerisch lassen sich die drei Wege vergleichen. Aber die Entscheidung fällt selten nur im Kopf. Sie fällt auch im Bauch: Womit fühlen Sie sich wohl? Was gibt Ihnen Ruhe, wenn die Börse fällt, wenn Sie 85 werden oder wenn Sie an Ihre Kinder denken? Eine gute Ruhestandsplanung nimmt beides ernst – die Zahlen und die Gefühle.

Drei Wege, drei Gefühle

Was jeder Weg verspricht – und was er verlangt
ImmobilieRenteDepot
Das Gefühl„Sie bleibt.“ Etwas Greifbares, das man sieht, betritt und weitergeben kann – über Generationen.„Sie kommt.“ Jeden Monat, sicher, einfach aufs Konto – ein Leben lang, ohne dass man sich kümmern muss.„Es gehört mir.“ Freiheit und Flexibilität: entnehmen, wann und wie viel man möchte.
Was es verlangtVerantwortung als Vermieter: Mieter, Reparaturen, Leerstand – auch mit 80Vertrauen: Das Kapital ist hingegeben, im Gegenzug kommt die lebenslange ZahlungGelassenheit: Der Wert schwankt, und jemand muss Entnahmen klug steuern
Die stille Sorge„Wollen meine Kinder das überhaupt übernehmen?“„Was, wenn ich früh sterbe – ist dann alles weg?“„Was, wenn die Börse einbricht, gerade wenn ich das Geld brauche?“

Keiner dieser Wege ist besser als die anderen. Jeder beantwortet ein anderes Bedürfnis: Bleiben, Sicherheit oder Freiheit. Welches Bedürfnis bei Ihnen am stärksten ist, ist die erste und vielleicht wichtigste Frage.

Die harten Zahlen: Was 1.000 € im Monat kosten

Wir rechnen ein Beispiel: Eine 46-jährige Person möchte ab 67 zusätzlich 1.000 € netto im Monat. Wie viel Kapital braucht sie dafür zum Rentenbeginn – und wie viel muss sie ab heute monatlich dafür aufwenden?

Modellrechnung: 1.000 € netto im Monat ab 67, Ansparbeginn mit 46
Immobilie
(vermietet)
Private Rente
(lebenslang)
Depot
(Entnahmeplan bis 88)
Benötigt zum RentenbeginnImmobilie mit Kaufpreis heute rund 464.000 €rund 374.000 € Kapitalrund 248.000 € Kapital
Monatlicher Aufwand ab heute, 21 Jahrerund 970 € Zuzahlung, dazu rund 79.000 € Eigenkapitalrund 890 €
(mit 3 % jährlicher Steigerung: ab rund 710 €)
rund 680 €
(mit 3 % jährlicher Steigerung: ab rund 530 €)
Wie lange fließen die 1.000 €?solange vermietet, die Miete steigt mitlebenslangbis 88, steigend um 1,5 % pro Jahr
Was bleibt übrig?die Immobilie: Wert mit 67 rund 572.000 €, mit 88 rund 704.000 €nichts (ohne Rentengarantiezeit)nichts – das Kapital ist mit 88 verbraucht

Auf den ersten Blick wirkt das Depot am günstigsten. Doch die Zeilen darunter erzählen eine andere Geschichte: Die Rente zahlt auch mit 95 noch. Die Immobilie kostet am meisten Einsatz – und hinterlässt am meisten Vermögen. Das Depot ist am günstigsten, weil es verbraucht wird und mit 88 endet.

Die Annahmen der Modellrechnung

Immobilie: Mietrendite 2,5 % vor Steuern, Miet-, Wert- und Kostensteigerung je 1 % pro Jahr, Verwaltung und Instandhaltung je 60 € im Monat, 90 % Finanzierung zu 4 % mit Tilgung bis Rentenbeginn, Kaufnebenkosten 7 %, Abschreibung 2 % auf 80 % Gebäudeanteil, Grenzsteuersatz 42 % in der Ansparphase und 20 % im Ruhestand. Private Rente: Ansparrendite 4,5 % nach Kosten, angenommener Rentenfaktor 27,69 € je 10.000 €, Besteuerung mit dem Ertragsanteil von 17 % bei Rentenbeginn mit 67 (§ 22 EStG) und 20 % Steuersatz. Depot: Ansparrendite 4,5 % nach Kosten, Rendite im Ruhestand 2 %, jeweils abzüglich 25 % Abgeltungsteuer; Entnahme steigend um 1,5 % pro Jahr bis 88. Alle Werte sind Annahmen, keine Prognosen.

Was die Zahlen nicht zeigen

Die Unterschiede im Überblick
ImmobilieRenteDepot
Sicherheit der Zahlungmittel – Leerstand, Mietausfall, Reparaturenhoch – vertraglich zugesagtschwankend – hängt von den Märkten ab
Wenn Sie sehr alt werdenläuft weiterläuft weiterendet beim Verzehr
Flexibilitätgering – Verkauf dauert, ist teuer und nur im Ganzen möglichgering – die Entscheidung ist meist endgültighoch – Entnahmen jederzeit anpassbar
Für Erbenbleibt erhaltennichts, außer bei vereinbarter GarantiezeitRestkapital wird vererbt
Aufwand im Alterhochkeinermittel – Entnahmen und Anlage steuern
InflationMieten steigen meist mitnur bei vereinbarter SteigerungEntnahme kann mitwachsen
Sichtfeld · Aus der Praxis

Wenn die Kinder keine Vermieter sein wollen

Viele Eigentümer wünschen sich, dass ihre Immobilien in der Familie bleiben. Nicht selten haben die Kinder aber wenig Interesse daran, sich um Mieter und Reparaturen zu kümmern. Dann wird verkauft – und aus der Immobilie wird plötzlich ein großes Wertpapiervermögen, das neu geordnet werden will. Das sollte man besprechen, bevor es so weit ist.

Verzehren oder erhalten?

Beim Depot gibt es eine zweite, oft unterschätzte Entscheidung: Wollen Sie das Kapital verbrauchen oder erhalten und nur von den Erträgen leben?

Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine Rechnung, die ich im Podcast vorgestellt habe: Wer 1.000 € im Monat mit 1 % jährlicher Steigerung entnehmen möchte und rund 3 % Ertrag erwartet, braucht für einen Verzehr bis 88 etwa 220.000 €. Soll das Kapital erhalten bleiben, sind es nach Steuern rund 990.000 € – mehr als das Vierfache.

Kapitalerhalt hat also seinen Preis. Und er hat Grenzen: Auch ausschüttende Anlagen können ihre Ausschüttungen in schwachen Börsenjahren oft nur halten, indem sie Substanz verkaufen. Je höher die versprochene Ausschüttung, desto größer dieses Risiko. Seien Sie deshalb vorsichtig bei Versprechen, die zu schön klingen.

Sichtfeld · Sicherheit durch Planung

Die nächsten Jahre gesichert – der Rest darf arbeiten

Sicherheit lässt sich auch strukturell herstellen: Wenn die Ausgaben der nächsten Jahre aus sicheren Bausteinen gedeckt sind, muss in einer Börsenkrise nichts verkauft werden. Der übrige Teil des Vermögens kann weiter langfristig angelegt bleiben – auch mit 67 haben Sie noch 20 oder 30 Jahre vor sich.

Die Mischung: Jeder Baustein hat seine Aufgabe

In der Praxis lautet die Antwort selten „entweder – oder“. Viel öfter ist es eine Mischung, bei der jeder Baustein eine klare Aufgabe hat:

Die Aufgabenteilung

Was welcher Baustein am besten kann

  • Grundausgaben – lebenslang sichern: Wohnen, Essen, Versicherungen. Dafür eignen sich Einnahmen, die nicht enden: gesetzliche Rente, Versorgungswerk, private Rente – oder Mieten.
  • Wünsche – flexibel finanzieren: Reisen, Hobbys, die Familie unterstützen. Hier spielt das Depot seine Stärke aus.
  • Vermächtnis – bewusst gestalten: Was soll bleiben, und für wen? Hier kann die Immobilie ihren besonderen Wert entfalten.

Ein Beispiel: Ein Paar rechnet im Ruhestand mit 8.000 € Ausgaben im Monat. Aus Versorgungswerk, Basisrente, Riester-Rente und bestehenden Mieteinnahmen fließen 5.175 €. Es fehlen 2.825 €. Wie diese Lücke geschlossen wird, entscheidet sich an den Fragen von oben: Welcher Teil muss sicher und lebenslang fließen? Welcher darf schwanken? Und was soll einmal bleiben?

Wie Sie lebenslange und flexible Einnahmen in einem Vorsorgecheck ordnen, lesen Sie im Beitrag „Erst der Vorsorgecheck, dann der Vertrag“. Warum die Reihenfolge guter und schlechter Börsenjahre zählt, zeige ich in „Die Auszahlphase“. Und welchen Platz Immobilien im Gesamtvermögen haben, steht in „Immobilien als Sachanlage“.

Fünf Fragen an Sie

Zum Nachdenken

Was ist Ihnen wirklich wichtig?

  • Was gibt Ihnen mehr Ruhe: eine Zahlung, die garantiert kommt – oder Geld, über das Sie jederzeit frei verfügen?
  • Wie wichtig ist es Ihnen, dass etwas bleibt – und für wen?
  • Möchten Sie sich mit 80 noch um Mieter oder um Ihr Depot kümmern – oder soll das jemand anderes tun?
  • Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Depot im ersten Ruhestandsjahr um 30 % fällt?
  • Wollen Sie Ihr Vermögen im Ruhestand verbrauchen – oder erhalten?

Fazit

Die Immobilie bleibt, die Rente kommt, das Depot schenkt Freiheit. Rechnerisch ist das Depot oft der günstigste Weg zu einem Einkommen – aber nur, solange es verbraucht werden darf und Schwankungen ausgehalten werden. Die Rente kostet mehr und schützt dafür vor einem langen Leben. Die Immobilie verlangt am meisten Einsatz und hinterlässt am meisten. Die beste Lösung verbindet die Stärken – passend zu Ihren Zielen, Ihrem Sicherheitsbedürfnis und dem, was Sie einmal weitergeben möchten.

Alle Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen mit den genannten Annahmen und dienen nur der Veranschaulichung. Tatsächliche Renditen, Mieten, Rentenfaktoren, Kosten und Steuern können erheblich abweichen. Kapitalanlagen und Immobilien sind mit Risiken verbunden; Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. Podcast „Die Finanztrainer³“, Folge #58: Financial Planning trifft Ruhestand (03.12.2025)
  2. § 22 Einkommensteuergesetz (EStG) – Ertragsanteil bei Leibrenten
  3. § 7 Einkommensteuergesetz (EStG) – Absetzung für Abnutzung
  4. § 32d Einkommensteuergesetz (EStG) – Abgeltungsteuer

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Er stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen ohne Gewähr. Stand: 14. Oktober 2026.

Porträt Christian Siebold
Über den Autor

Christian Siebold

CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®, Zertifizierter Finanzcoach (FH) und Generationenberater (CU) in Bayreuth. Ich übersetze Zahlen in Lebensziele – individuell, nachhaltig und vernetzt.

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